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Naturfreunde Mörfelden-Walldorf
brisante Themen

Leitartikel im Vereinsheft, 4 Quartal 2010

Liebe NaturFreundinnen und NaturFreunde!


Die im Mai 2010 stattgefundene Landesdelegiertenkonferenz der Hessischen Naturfreunde beschäftigte sich auch mit ökonomischen Fragestellungen, so heißt es in einem Antrag des Landesvorstandes.: Die gerade erlebte internationale Wirtschafts- bzw. Bankenkrise, die immer mehr erlebte ökologische Endlichkeit dieser Welt durch immer mehr unberechenbare Klimakatastrophen, das immer deutlicher spürbare Auseinanderfallen der Welt in Arm und Reich wird auch in unserer Gesellschaft erlebbar. Das belegt die steigende Kinderarmut in Deutschland. Noch immer ist der Zugang zur Bildung sozial definiert.

Trotz steigendem Bruttosozialprodukt (BSP) ist der qualitative Wohlstand der Menschen gesunken, wenn die Kosten für Umweltzerstörung, Staus, Verlust von Raum und Zeit, Gesundheit, Verlust von sozialer Sicherheit usw. abgezogen werden. Wohlstand und Wohlergehen müssen gegenüber dem BSP menschlich produktiv gewendet werden - durch die Beteiligten selbst. Das BSP als Indikator von Wohlstand misst als Austausch alle volkswirtschaftlichen Leistungen falsch (z.B. erhöht jeder Unfall das BSP, jeder Umweltschaden, der repariert werden muss, usw.)
Gerade jetzt muss die Welt qualitativ interpretiert werden, muss sie orientiert sein an einer nachhaltigen sozialen Wohlfahrt und Sicherheit. Die Zukunft wird entscheidend beeinflusst durch die Definition dessen, was uns wichtig und lebenswert ist und wonach wir streben, was wir als gutes und richtiges Leben verstehen.
Gerade jetzt ist es deshalb grundlegend, dies als Naturfreunde zu beschreiben und in unseren Orts-, Fach-, Kinder-, und Jugendgruppen, in unseren Veranstaltungen erlebbar zu machen und attraktives erlebbares Vorbild für ein anders Leben zu sein.
Gerade jetzt ist es wichtig, in unserem Gruppenalltag einen Lebensstil positiv erleben zu lassen, der an der Stelle des reinen Spekulations-Kapitalismus mit der immerwährenden Konkurrenz neue Werte, eine andere erlebbare Qualität des Lebens, ein anders qualitatives Wohlstandsmodell setzt.
• Statt einer 24 Stundenökonomie setzen wir auf Zeitwohlstand.
• Statt gläubiger Reduzierung auf Spezialisten setzen wir auf Vielfalt und Kreativität - setzen wir auf uns und die eigene Tätigkeit.
• Statt der Zielvorstellung des sich immer steigernden materiellen Konsums setzen wir auf eine Kultur der Selbstständigkeit und einer qualitativen Bescheidenheit, die gerade und deshalb sinnstiftender und erlebnisreicher ist.
• Statt sensationsgeiler extremer Events der sportlichen Freizeitgestaltung setzen wir auf sanften- und erkenntnisreichen Umgang mit der Natur und körperlich wohltuenden Natursportarten.
• Statt immerwährender Konkurrenz und Vereinzelung setzen wir auf erlebbare Gemeinschaft und Freundschaft, schaffen so viele Events – soziale Erlebnisse und Erfahrungen.
• Statt des Fernreisetourismus setzen wir auf die Region und schaffen neue Erlebnisformen von Erfahrung zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichem Nahund Fernverkehr.
• Statt auf Ausgrenzung setzen wir auf Offenheit und Öffnung unserer
Gruppen, unsere Gruppen öffnen sich gerade auch den Arbeitslosen und
den ausländischen Mitbürgern. Dies ist unser praktischer Beitrag zum
Kampf gegen "Rechts".
Als Markenzeichen stehen Naturfreunde damit für ein Klima, das geprägt ist von individueller Entfaltungsmöglichkeit und sozialer Geborgenheit sowie von Tradition, Solidarität und Toleranz.
Unsere jetzt über 100 Jahren prägenden Prinzipien der Solidarität und gerechter Verteilungsverhältnisse, der Sicherung der natürlichen Grundlagen und der Nachhaltigkeit, von Chancengleichheit und die Wahrung der Menschenwürde als oberstes Gebot bleiben aktuelle Grundlagen unseres Handelns.
Mit dem Motto "Naturfreunde gerade jetzt" bekennen sich die hessischen Naturfreunde in einer Zeit, in der scheinbar nichts Bestand hat und Orientierungen fehlen, zu ihren Prinzipien der Solidarität und der Nachhaltigkeit. Prinzipien wie gerechte Verteilungsverhältnisse, die Sicherung der natürlichen Grundlagen unseres Lebens, Chancengleichheit und die Wahrung der Menschenwürde als oberste Gebote bleiben Grundlagen unseres Handelns und unserer Positionierung in der Öffentlichkeit.
Gerade deshalb werden sich die Hessischen Naturfreunde den Anforderungen unserer Zeit stellen und werden sich dazu Bündnispartner suchen und die Solidarität untereinander stärken! Die Verschlechterung der gesellschaftlichen Bedingungen, immer höhere Anforderungen an ehrenamtliches Engagement und die Verschiebung von allgemeinen Werten erfordern, dass wir uns auf allen Ebenen enger zusammenschließen.


„Berg frei“ – Ernst Knöß

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