Anbei ein Artikel über Fragen des Geldes, denn wer über das Geldwesen bestimmt, verfügt über das wesentliche Medium zur Durchsetzung der Macht und der Beeinflussung der Massen.
Der Vertag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) stellt in Artikel 2 „Aufgabe der Gemeinschaft“, im ersten mit „Grundsätze“ überschriebenen Teil des Vertrages folgende Ziele heraus.: „Aufgabe der Gemeinschaft ist es, (...) eine harmonische und ausgewogene Entwicklung des Wirtschaftslebens innerhalb der Gemeinschaft, ein beständiges, nichtinflationäres und umweltverträgliches Wachstum, einen hohen Grad an Konvergenz der Wirtschaftsleistungen, ein hohes Beschäftigungsniveau, ein hohes Maß an sozialem Schutz, die Hebung der Lebenshaltung und der Lebensqualität, den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedsländern zu fördern.“ zu gleich wird aber betont, dass dies „ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität“ (Artikel 2 EUV-Protokoll) erfolgen müsse.
Hier treten die Meinungsverschiedenheiten, die sich hoffentlich zu einem gesunden Kräfteausgleich in der Europäischen Gemeinschaft entwickeln werden, klar zutage. Einerseits sieht man deutliche Fußspuren der Hohenpriester der Ökonomie und des Bankwesens, die offenbar ernsthaft glauben, dass Preisstabilität ein ausreichendes Maß für den Erfolg oder das Scheitern der Europäischen Währungsunion sei!
Obwohl Preisstabilität sicherlich wichtig ist, darf sie nie das oberste Ziel sein. Stabil soll in erster Linie ein gut funktionierendes Währungssystem sein, das der Gesellschaft in korrekter Weise zur Verfügung gestellt wird.
Artikel 2 enthält implizit einen wichtigen monetären Grundsatz: die zutreffende Auffassung nämlich, dass ein Währungssystem so geführt werden muss, dass es die besten lebenden Ergebnisse erzielt und nicht nur mit der toten Theorie übereinstimmt. Mit anderen Worten: Der Erfolg eines Währungssystems soll sich nach den Resultaten bemessen lassen. Das Geldsystem soll der Diener sein, nicht der Herr.
In jetzigen Form beendet die Europäische Zentralbank (EZB) den viel zu technokratisch ausgerichteten Grundsatz nicht, nach dem das europäische Währungssystem geführt wird. Es fehlt an ausreichenden schriftlich und für jedermann verständlich, niedergelegten Überlegungen und detaillierten Bestimmungen hinsichtlich der menschlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedürfnisse, die das Geldsystem befriedigen muss. Der Versuch, diese Elemente mit dem Mantra „Preisstabilität“ zu verknüpfen, kann als Indiz für die Beweggründe einiger der Organisatoren gewertet werden. Es ist kein Geheimnis, dass Preisstabilität – wenn sie durch eine übermäßige Begrenzung des Geldmengenwachstums erzielt wird – vermögende Anleiheinhaber auf Kosten sowohl der Industriellen als auch der weniger Wohlhabenden begünstigt und damit die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert – und zwar nicht auf Grund natürlicher Begabungen, Fähigkeiten oder produktiver Anstrengungen.
Verursacher dieser Entwicklungen ist immer jene Gruppe, die das Geldsystem kontrolliert und den Erfolg dieses Systems nach Kriterien bemisst und verkündet, die eigens dafür vorgesehen sind, ihr Vorteile zu verschaffen. Doch muss die Europäische Währungsunion diesen Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. In den Gründungsurkunden lassen sich entsprechend wirksame Vorkehrungen treffen, um einen Schutz vor solchen Ungerechtigkeiten und ihren Folgen zu gewährleisten. Sollte dies nicht möglich sein, wird sich die Frage stellen, ob die Union strukturell in der Lage ist, nach einer all zu strengen Durchführung der Währungsunion intelligent zu reagieren und sich selbst zu korrigieren oder ob sie in ihre nationalen Bestandteile zerfallen wird.
Im Versuch das Geldsystem von der Politik zu trennen, kommt das Misstrauen der Bevölkerung in diesen Angelegenheiten zum Ausdruck. Natürlich muss das Geldsystem genauso wie das Rechtswesen unabhängig sein; es muss aber auch rechenschaftspflichtig sein, und die Gemeinschaft äußert sich nun einmal (indirekt) über die Politik darüber, ob das Geldsystem gut funktioniert oder nicht. Die obersten Richter über das Geldsystem sind also in der Tat die Bürgerinnen und Bürger - und nicht etwa die Hohenpriester irgendeiner undefinierbaren Ideologie, der Vorstand einer Bank oder willkürlich aufgestellte Statistiken. Das Geldsystem findet seine Daseinsberechtigung darin, dass es der Allgemeinheit dient. Die Geschichte gibt uns keinen Anlass, mehr Vertrauen in die Geldsysteme zu setzen, die von Eliten kontrolliert werden, als in solche, die von den Bürgern kontrolliert werden – im Gegenteil.